Zwei Farbwolken, türkis und pfirsich, die sich im Wasser ineinander mischen

Was hilft bei AD(H)S im Erwachsenenalter?

Person überquert eine Hängebrücke im Gebirge der aufgehenden Sonne entgegen

Nach einer Diagnose kommt die Frage, was jetzt hilft. Die kurze Antwort: mehr als eine Sache. Welche Zusammenstellung passt, hängt davon ab, was Sie im Alltag am meisten einschränkt.

Dieser Beitrag ordnet die Möglichkeiten ein, ohne eine davon zu verkaufen.

Medikamente

Bei AD(H)S im Erwachsenenalter sind Stimulanzien wie Methylphenidat und Lisdexamfetamin die am besten untersuchte Behandlung. Sie wirken bei einem grossen Teil der Betroffenen auf die Kernsymptome: Aufmerksamkeit, Impulsivität, innere Unruhe.

Was sie nicht leisten: eingeübte Vermeidung auflösen, Selbstwert reparieren, Struktur im Alltag aufbauen. Wer dreissig Jahre Aufschieben geübt hat, schiebt unter Medikation weiterhin auf, nur mit mehr verfügbarer Aufmerksamkeit.

Verschrieben werden Stimulanzien in der Schweiz von Ärztinnen und Ärzten, nicht von Psychologinnen und Psychologen. Wir klären ab und behandeln psychotherapeutisch; für die medikamentöse Seite arbeiten wir mit ärztlichen Kolleginnen und Kollegen zusammen.

Psychotherapie

Verhaltenstherapeutisch ausgerichtete Psychotherapie hat in Metaanalysen belegbare Effekte bei AD(H)S im Erwachsenenalter, besonders auf Organisation, Aufschieben und den Umgang mit Emotionen. Sie setzt dort an, wo Medikamente nicht hinreichen: bei dem, was sich über Jahre eingeschliffen hat.

Das kann einzeln stattfinden oder in einer Gruppe. Was den Unterschied macht, steht im Beitrag Selbsthilfegruppe oder Gruppentherapie bei AD(H)S?.

Psychoedukation

Zu verstehen, wie AD(H)S funktioniert, ist keine Vorstufe der Behandlung, sondern ein Teil davon. Wer weiss, warum ihm Zeitplanung schwerfällt, hört auf, es für Charakterschwäche zu halten. Das verändert, wie er mit sich umgeht.

Unser Gruppenangebot dazu läuft unter Psychoedukation und Coaching.

Coaching

Coaching arbeitet an der Umsetzung im Alltag: Kalender, Aufgabenlisten, Ablage, Routinen. Es behandelt keine Störung, sondern übt Handgriffe ein.

Ein Hinweis, weil danach oft gefragt wird: Reines Coaching ist keine Psychotherapie und wird von der Grundversicherung nicht übernommen. Psychotherapie mit ärztlicher Anordnung wird übernommen. Was bei uns wie abgerechnet wird, steht unter Fragen zur Abklärung.

Was der Alltag beiträgt

Schlaf, Bewegung und Struktur wirken bei AD(H)S stärker als bei Menschen ohne AD(H)S, und Schlafmangel verschärft die Symptome messbar. Das ersetzt keine Behandlung, entscheidet aber mit darüber, wie gut eine Behandlung greift.

Wie man das zusammensetzt

Die Leitlinie empfiehlt ein multimodales Vorgehen: mehrere Bausteine, abgestimmt auf den Einzelfall, statt eines Standardpakets. In der Praxis heisst das meist Medikation für die Kernsymptome, Psychotherapie oder Gruppe für die eingeschliffenen Muster, dazu Psychoedukation von Anfang an.

Und es heisst, dass man nicht alles gleichzeitig anfängt. Was zuerst dran ist, entscheidet sich danach, was gerade am meisten drückt.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Interdisziplinäre S3-Leitlinie «ADHS im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter», AWMF-Registernummer 028-045, Federführung DGKJP, DGPPN und DGSPJ. Fassung 2018; die Gültigkeit ist am 1. Mai 2022 abgelaufen, eine Überarbeitung läuft. AWMF-Register
  • Faraone, S. V. et al. (2021). The World Federation of ADHD International Consensus Statement: 208 evidence-based conclusions about the disorder. Neuroscience & Biobehavioral Reviews 128, 789–818. doi:10.1016/j.neubiorev.2021.01.022 (deutsche Fassung als PDF der ADHD Federation)
  • Philipsen, A. et al. (2015). Effects of group psychotherapy, individual counseling, methylphenidate, and placebo in the treatment of adult ADHD (COMPAS). JAMA Psychiatry 72, 1199–1210. doi:10.1001/jamapsychiatry.2015.2146
  • Kooij, J. J. S. et al. (2019). Updated European Consensus Statement on diagnosis and treatment of adult ADHD. European Psychiatry 56, 14–34. doi:10.1016/j.eurpsy.2018.11.001
  • D’Amelio, R. et al.: Psychoedukation und Coaching ADHS im Erwachsenenalter. Elsevier.

Ihr nächster Schritt

Noch keine Diagnose? Dann beginnt es dort: AD(H)S-Abklärung, oder zuerst der kostenlose Selbsttest. Mit Diagnose finden Sie unter Aktuelle Gruppen, was bei uns startet.

Offenlegung: Wir klären ab und führen Gruppen durch. Dieser Beitrag ersetzt keine Beratung im Einzelfall.