Wer mit AD(H)S lebt, kennt das Gefühl, die eigenen Eigenheiten ständig erklären zu müssen. Memes drehen das um: Sie beschreiben in einem Bild, wofür man sonst drei Absätze braucht, und treffen dabei oft genauer als jede Definition.
Bei jedem Bild steht kurz, was fachlich dahintersteckt. Denn genau das ist der Punkt: Was sich wie eine persönliche Schwäche anfühlt, ist meist ein gut beschriebenes Merkmal einer Aufmerksamkeitsstörung.
Zufälliges Meme
Wechselt automatisch – und bei jedem Seitenaufruf ist die Auswahl eine andere.
Das Arbeitsgedächtnis ist bei AD(H)S häufig belastet. Das ist keine Frage von Interesse oder Anstrengung, sondern eine der am besten belegten Auffälligkeiten der Exekutivfunktionen.
Der Klassiker: Man hat zugehört und trotzdem ist es weg.Nachfragen zu müssen ist vielen unangenehm. Es ist aber die vernünftigste Reaktion.Drei Dinge aus der Küche holen und mit einem zurückkommen.Ablenkbarkeit ist selten Desinteresse.Der Witz trifft einen wahren Kern: Wer es nie anders kannte, hält es lange für normal.Mündliche Mehrfachanweisungen sind für das Arbeitsgedächtnis besonders anspruchsvoll. Schriftlich hilft.Das Warten auf den «richtigen» Startzeitpunkt ist eine der häufigsten Aufschiebefallen.Lesen erfordert dauerhafte Aufmerksamkeit. Bricht sie weg, beginnt der Absatz wieder von vorn.Stimming, also selbststimulierendes Verhalten, dient der Selbstregulation. Nicht jede Variante ist praktisch.Schnelles Denken ist ein Vorteil, solange es nicht am eigenen Vorhaben vorbeischiesst.Nachfragen fühlt sich oft peinlicher an als das Ergebnis. Ist es selten.Abschweifen ist keine Unhöflichkeit. Es passiert, bevor man es bemerkt.Gedankliche Dauerpräsenz vieler Themen gleichzeitig – anstrengender, als es von aussen aussieht.Die Schwankung selbst ist das Merkmal – nicht ein durchgehend niedriges Niveau.Lesen und Verstehen sind zwei getrennte Vorgänge. Der zweite braucht Aufmerksamkeit, die nicht immer verfügbar ist.Assoziatives Denken ist eine Stärke – bis man den Gedankensprung erklären soll.Beides gleichzeitig zu brauchen macht Unterstützung heikel. Selbst gesetzte Erinnerungen umgehen den Widerstand.
Zeitgefühl und Zeitblindheit
Zeit zu spüren und einzuschätzen fällt vielen Betroffenen schwer. Das erklärt Verspätungen besser als jede Unterstellung mangelnder Wertschätzung.
Monate können sich anfühlen wie Wochen.Aufwand einzuschätzen gehört zu den schwierigsten Aufgaben und ist gut trainierbar.Bei Reizarmut dehnt sich die gefühlte Zeit, im Hyperfokus verschwindet sie.Ein verschobener Schlaf-Wach-Rhythmus ist bei AD(H)S häufig und wird oft übersehen.Der Körper folgt dem Wissen nicht automatisch. Genau darin liegt die Schwierigkeit.Selbsttäuschung als Methode. Funktioniert, bis man sich daran erinnert.Hilfsmittel gegen Zeitblindheit werden gern selbst zur Ablenkung. Ein Wecker ist verlässlicher als Musik.Aus den Augen, aus dem Sinn. Ein Wecker beim Hineinlegen kostet fünf Sekunden.Ein einziger fixer Termin kann den ganzen Tag blockieren, weil alles darum herum unbrauchbar wird.Die Zehn-Minuten-Schleife kann Stunden dauern. Sie zu bemerken ist der erste Schritt heraus.
Aufschieben und Anfangen
Nicht anfangen zu können ist etwas anderes als nicht anfangen zu wollen. Wer den Unterschied kennt, erkennt sich hier wieder.
Aufschieben lässt sich nicht wegermahnen, auch nicht von einem selbst.Produktives Vermeiden: Man tut etwas, nur nicht das, was ansteht.Eine offene Erwartung kann den ganzen Tag blockieren.Dass gerade kleine Aufgaben Widerstand auslösen, gehört zu den irritierendsten Erfahrungen bei AD(H)S.Die Aufgabe ist nicht schwer. Sie anzugehen schon.Erholung ohne schlechtes Gewissen ist für viele der schwierigste Teil.Selbstironie als Bewältigungsstrategie – verbreitet und oft hilfreicher als ihr Ruf.Der Weg zum Ergebnis sieht anders aus. Das Ergebnis oft nicht.Unerledigtes wirkt auch dann, wenn man es nicht ansieht. Bild: ADHDinosDer Handlungsdruck kommt erst, wenn die Frist unmittelbar ist. Vorher fühlt sie sich unwirklich an.Aufgaben ohne spürbare Belohnung sind der eigentliche Stolperstein, nicht schwierige Aufgaben. Bild: jennhasadhdDie Klammer ist der wahre Kern: Scham übers Aufschieben macht das Anfangen zusätzlich schwer. Bild: iamnotanartist_Unter Zeitdruck entsteht viel. Die Folgen davon kommen später.Die Vorurteile passen in drei Wörter. Das Erleben nicht.Konzentration ist vorhanden. Sie richtet sich nur selten auf das Gewünschte.Fristen werden zu Startsignalen statt zu Endpunkten.Einsicht und Umsetzung sind zwei verschiedene Systeme. Genau da setzt Selbstmanagement an.Das Bild braucht keine Erklärung – und trifft es besser als jede Broschüre.
Hyperfokus und Interessen
Stundenlange Versenkung in das eine und kein Anfang beim anderen. Beides gehört zusammen und wird von aussen selten als dasselbe erkannt.
Hyperfokus kennt keine Rücksicht auf den Kontext.Neue Interessen kommen selten dann, wenn man Zeit dafür hat.Aufwand zu unterschätzen ist kein Übermut, sondern eine Schwäche der Planungsfunktion.Der Kreislauf erklärt, warum viele Betroffene erstaunlich viel können und trotzdem selten etwas abschliessen.Interesse lässt sich nicht auf Termin verschieben. Das ist der Kern des Problems.Wiederkehrende Anläufe sind typisch – und kein Zeichen von Faulheit.Der Impuls, alles selbst zu können, ist echt. Die Zeit dafür ist es nicht.Deshalb zögern viele, überhaupt noch von neuen Vorhaben zu erzählen.Grundbedürfnisse rutschen im Hyperfokus nach hinten. Erinnerungen ans Essen und Trinken sind kein Kinderkram. Bild: ADHDinosAlte Interessen verschwinden nicht, sie ruhen nur. Bild: JennHasADHD
Gespräche und Soziales
Zuhören, den Faden halten, nicht dazwischenreden, den richtigen Moment abpassen: Gespräche verlangen viel gleichzeitig.
Impulsivität und Rückzug sind keine Gegensätze – viele Betroffene kennen beides, oft im selben Gespräch.Telefonvermeidung ist verbreiteter, als man denkt – und hat selten mit Desinteresse zu tun.Im Redefluss geht das Mass verloren. Das Unbehagen kommt meist erst danach.Zuhören kostet aktive Anstrengung, wenn der Inhalt längst angekommen ist. Unterbrechen ist der Reflex.Wortfindungspausen mitten im Satz gehören für viele zum Alltag.Ungeschriebene Regeln sind ungeschrieben. Das macht sie schwer zugänglich.Der Gedanke war da. Und dann war er weg.Soziale Anstrengung wird oft höher gewichtet als der Aufwand der Sache selbst.Gut gemeinter Vergleich, der den Unterschied zwischen Gelegenheit und Dauerzustand verfehlt.Ein beiläufiger Gedanke setzt sich fest und läuft tagelang weiter.Reizfilterung ist bei AD(H)S durchlässiger. Das Nebengeräusch kommt genauso an wie das Wesentliche.
Aufräumen und Haushalt
Aufräumen scheitert selten am Wollen. Es scheitert an Reihenfolge, Anfang und den drei Dingen, die unterwegs dazwischenkommen.
Ohne Reihenfolge bleibt vieles halb erledigt. Eine feste Reihenfolge ist deshalb wirksamer als mehr Anstrengung.Alles auszuräumen ist der leichte Teil. Das Wiedereinräumen scheitert am Antrieb.Für andere fällt das Anfangen leichter als für sich selbst. Das ist kein Widerspruch, sondern typisch.Aufräumen wird zur Zeitreise. Deshalb dauert es so lange.Ordnung halten ist eine andere Fähigkeit als Ordnung herstellen. Systeme helfen mehr als Vorsätze.Von aussen gesetzte Anlässe wirken stärker als selbst gesetzte.Die Vorbereitung ersetzt die Tätigkeit. Ein Klassiker beim Aufschieben.Zwischen Vorsatz und Ausführung schieben sich zuverlässig drei weitere Vorhaben.Das Alles-oder-nichts-Muster erschöpft. Kleine, klar begrenzte Einheiten sind der Ausweg.Am Ende ist viel geschehen. Nur nicht das Geplante.
Schule, Studium und Arbeit
Fristen, Prüfungen, Anweisungen: Der Leistungskontext bringt die Schwierigkeiten am deutlichsten zum Vorschein.
Der Themenwechsel kommt schneller als die Antwort.Wer in der Schule mühelos mitkam, fällt später umso härter auf – einer der häufigsten Wege zur späten Diagnose.Der Griff passiert, bevor man ihn entscheidet. Impulsivität im Kleinformat.Ein kurzer Aussetzer, und der Anschluss ist weg. Deshalb sind Mitschriften und Aufzeichnungen so wertvoll.
Geld und der ADHS-Zuschlag
Vergessene Rechnungen, verdorbene Lebensmittel, doppelt gekaufte Dinge: Der sogenannte ADHS-Zuschlag ist die Summe der kleinen Mehrkosten.
Neue Interessen kommen selten allein. Meist bringen sie eine Vollausstattung mit.Der «ADHS-Zuschlag» sind die Mehrkosten durch Vergessenes und Verlorenes. Er summiert sich.Ein praktischer Gedanke: Mehrkosten bewusst einplanen, statt sich über sie zu ärgern. Bild: Jesse J. AndersonImpulskäufe lassen sich schlecht durch Vorsätze bremsen. Zahlungswege zu erschweren wirkt besser.
Medikamente und Behandlung
Diese Memes ersetzen kein Gespräch mit der behandelnden Ärztin. Fragen zur Medikation gehören in die Sprechstunde.
Unter Stimulanzien verändert sich oft die Koffeinverträglichkeit. Ein Punkt, den man mit der behandelnden Ärztin besprechen sollte.Die Sorge vor Abhängigkeit ist verbreitet. In der Praxis ist das Gegenteil häufiger: Die Einnahme geht vergessen.Regelmässigkeit ist genau das, was schwerfällt. Erinnerungshilfen sind deshalb Teil der Behandlung, kein Zusatz.Wenn die Einstellung stimmt, beschreiben viele genau dieses Gefühl: nicht anders sein, sondern endlich zugänglich.Der Themensprung mitten im Satz – hier als Pointe, im Alltag als Dauerzustand.
Wenn AD(H)S übersehen wird
Diese treffen einen wunden Punkt. Sie sind komisch und beschreiben genau das, was viele Erwachsene jahrelang erleben, bevor überhaupt jemand an AD(H)S denkt.
AD(H)S wird bei Erwachsenen häufig hinter Depression, Angst oder Erschöpfung übersehen. Mehr dazu bei den ADHS-Krankheitsbildern.Betroffene stören sich meist selbst am stärksten an ihrem Verhalten.Wie viele Felder treffen bei Ihnen zu? Wenn es auffällig viele sind, kann eine Abklärung Klarheit bringen.Auf Abruf über sich zu sprechen, ist etwas anderes als sich zu kennen.Nach der Diagnose alles durch diese Brille zu sehen, ist eine normale Phase. Sie legt sich wieder.Dass Koffein müde macht statt wach, kennen viele Betroffene – und niemand sonst glaubt es ihnen.Handlungsimpuls vor Handlungsprüfung. Meist harmlos, manchmal teuer.Zu viele Möglichkeiten wirken lähmend statt beflügelnd. Eine Sache auszuwählen ist der eigentliche Schritt.Nicht zurückzuschreiben ist selten persönlich gemeint. Es trifft alles gleichermassen, auch einen selbst.Alltagsroutinen schwanken bei AD(H)S oft zwischen Extremen statt sich einzupendeln.Die Zweiteilung ist überzeichnet und trifft doch: Zwischenstufen sind das eigentlich Schwierige.Motivation auf Abruf wäre das eigentliche Wunder. Struktur ist der realistische Weg dahin.Der Kreis schliesst sich nie an der Stelle, an der man ihn gern hätte.
Wenn Sie sich in vielem davon wiedererkennen, muss das nichts heissen und kann trotzdem ein Anlass sein, genauer hinzuschauen. Wir bieten in Zürich ADHS-Abklärungen und Gruppen für Erwachsene an. Wie sich AD(H)S im Erwachsenenalter zeigt, steht auf der Seite ADHS bei Erwachsenen.
Die Memes stammen aus der ADHS-Community im Netz. Wo die Urheberschaft erkennbar war, ist sie genannt. Wenn Sie ein Bild erstellt haben und eine Nennung oder Entfernung wünschen, melden Sie sich bitte kurz unter mail@adhsgruppe.ch – wir kümmern uns umgehend darum.