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AuDHS: Autismus und ADHS zusammen

AuDHS ist keine offizielle Diagnose, sondern ein Kurzwort aus der Betroffenen-Community für etwas Häufiges: Autismus und ADHS zusammen bei derselben Person. Wer beides hat, erkennt sich in Beschreibungen von ADHS teilweise wieder und in Beschreibungen von Autismus ebenfalls — und passt in keine der beiden ganz.

Bis 2013 war es verboten, beides gleichzeitig zu diagnostizieren. Das alte Diagnosemanual liess nur eine der beiden Diagnosen zu. Eine ganze Generation bekam deshalb nur die halbe Erklärung.

Wie oft beides zusammen vorkommt

Häufiger, als die getrennten Kapitel im Diagnosemanual vermuten lassen. Eine Metaanalyse von 2019 fasste 96 Studien zusammen und fand: Von den Menschen mit einer Autismusdiagnose haben rund 28 Prozent zusätzlich eine ADHS. Damit ist ADHS die mit Abstand häufigste Begleitdiagnose bei Autismus, vor Angststörungen und Depression.

Bis 2013 verhinderte das Regelwerk selbst, dass dieser Zusammenhang sichtbar wurde. Erst das DSM-5 erlaubte, beide Diagnosen nebeneinander zu stellen. Wer vorher abgeklärt wurde, bekam die auffälligere von beiden — und mit ihr eine Behandlung, die nur die halbe Schwierigkeit adressierte.

Warum sich die beiden gegenseitig verdecken

Autismus und ADHS ziehen im Alltag oft in entgegengesetzte Richtungen, und das Ergebnis sieht dann nach keinem von beidem aus.

  • Der autistische Anteil braucht Routine, Vorhersehbarkeit und Vorbereitung. Der ADHS-Anteil langweilt sich in genau dieser Routine und sucht Abwechslung.
  • Der autistische Anteil plant sorgfältig voraus. Der ADHS-Anteil wirft den Plan um, sobald etwas Interessanteres auftaucht.
  • Ordnungssysteme werden mit viel Aufwand aufgebaut und nicht durchgehalten.
  • Reize sind zu viel und zugleich zu wenig: Geräusche und Licht überfordern, Unterforderung wird trotzdem unerträglich.
  • Nach aussen wirkt das oft ausgeglichen, weil sich beides teilweise aufhebt. Innen kostet es doppelt.

Dazu kommt die Anpassung. Viele Erwachsene mit beidem haben über Jahre gelernt, Blickkontakt, Small Talk und Tonfall bewusst zu steuern. Von aussen sieht das unauffällig aus. Es ist Arbeit, und sie zeigt sich erst in der Erschöpfung danach.

Woran Betroffene es oft selbst merken

  • Soziale Situationen sind machbar, aber sie kosten hinterher einen ganzen Abend Ruhe
  • Sehr intensive Interessen, die über Jahre halten, und daneben Vorhaben, die nach zwei Wochen liegen bleiben
  • Ein starkes Bedürfnis nach klaren Abläufen und gleichzeitig die Unfähigkeit, sie einzuhalten
  • Veränderungen im Tagesablauf werfen stärker aus der Bahn, als es erklärbar scheint
  • Frühere Diagnosen, die nur zum Teil gepasst haben

Selbsttest für den ADHS-Anteil

Der kostenlose Selbsttest deckt den ADHS-Teil ab und weist Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität getrennt aus. Für autistische Merkmale ist er nicht gemacht — bringen Sie diese Frage ins Erstgespräch mit.

Warum es bei Frauen noch später auffällt

Autismus und ADHS werden bei Frauen im Schnitt später erkannt, und zwar aus demselben Grund: Beide lassen sich verdecken.

Das internationale Konsensuspapier zu Mädchen und Frauen mit ADHS nennt kompensatorisches Verhalten ausdrücklich als Grund dafür, dass Beeinträchtigungen unsichtbar bleiben und die Zuweisung sich verzögert. Für autistische Merkmale wird dasselbe Muster beschrieben: Blickkontakt, Tonfall und Gesprächsroutinen werden bewusst gelernt und dann eingesetzt wie ein Werkzeug.

Kommt beides zusammen, wird auch beides verdeckt. Übrig bleibt eine Frau, die funktioniert, die erschöpft ist und die dafür keine Erklärung hat. Am Anfang steht deshalb oft eine andere Diagnose: Depression, Angststörung oder Erschöpfung.

Viele Frauen finden den Begriff neurodivergent, lange bevor sie eine Diagnose haben. Das ersetzt keine Abklärung. Es ist aber häufig der Anfang davon, und es ist ein brauchbares Wort für etwas, das vorher namenlos war.

Was wir abklären und was nicht

Wir sind eine Praxis für ADHS bei Erwachsenen. Eine Autismusdiagnostik führen wir nicht durch. Das ist ein eigenes Verfahren mit eigenen Instrumenten und gehört in eine darauf spezialisierte Stelle.

Was wir tun: Wir klären den ADHS-Anteil sauber ab. Wenn sich im Gespräch Hinweise auf autistische Merkmale zeigen, sagen wir das offen und nennen Ihnen Stellen, die eine Autismusabklärung anbieten. Beides nacheinander abzuklären ist der übliche Weg, und die Reihenfolge spielt meist keine Rolle.

Für die ADHS-Abklärung selbst gelten dieselben Kriterien wie sonst: Beginn vor dem 12. Lebensjahr, deutliche Beeinträchtigung in mindestens zwei Lebensbereichen, und der Ausschluss anderer Ursachen. Bestehende autistische Merkmale sprechen nicht dagegen. Sie gehören in die Beurteilung hinein.

Abklärung in Zürich

Wir klären ADHS und ADS bei Erwachsenen am Grossmünsterplatz ab. Ablauf, Dauer und die Frage, wann die Grundversicherung zahlt, stehen bei den Fragen zur Abklärung.

Was danach hilft

Für den ADHS-Anteil gelten die üblichen Wege: medikamentöse Therapie, Psychotherapie und Coaching für Struktur und Selbstorganisation. Die Studienlage zur Medikation bei gleichzeitigem Autismus stammt bisher überwiegend aus Untersuchungen an Kindern und Jugendlichen; für Erwachsene ist sie dünner.

In der Praxis heisst das vor allem: langsamer einsteigen und genauer hinschauen, weil Nebenwirkungen bei gleichzeitigem Autismus häufiger berichtet werden. Unsere Gruppen für Erwachsene sind auf ADHS ausgerichtet; ob eine Gruppe für Sie passt, klären wir im Erstgespräch.

Häufige Fragen

Ist AuDHS eine eigene Diagnose?

Nein. Es ist ein Kurzwort für zwei Diagnosen, die zusammen auftreten: eine Autismus-Spektrum-Störung und eine ADHS. Im Diagnosemanual werden beide getrennt gestellt.

Kann man beides gleichzeitig diagnostiziert bekommen?

Seit 2013 ja. Das DSM-IV liess das nicht zu, das DSM-5 hat diese Einschränkung aufgehoben. Wer vor 2013 abgeklärt wurde, hat deshalb möglicherweise nur eine der beiden Diagnosen.

Klärt ihr Autismus ab?

Nein. Wir klären ADHS bei Erwachsenen ab. Wenn sich Hinweise auf autistische Merkmale zeigen, sagen wir Ihnen das und nennen Stellen, die eine Autismusabklärung durchführen.

Wirken ADHS-Medikamente auch, wenn zusätzlich Autismus vorliegt?

Die vorhandenen Studien stammen überwiegend von Kindern und Jugendlichen und zeigen dort eine Wirkung auf Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität. Für Erwachsene ist die Datenlage dünner. Üblich ist ein vorsichtigerer Einstieg, weil Nebenwirkungen häufiger berichtet werden.

Wird AuDHS bei Frauen später erkannt?

In der Regel ja. Beide Anteile werden durch Anpassung verdeckt: Bei ADHS ist kompensatorisches Verhalten als Grund für verzögerte Zuweisung beschrieben, bei autistischen Merkmalen das bewusste Einüben von Blickkontakt und Gesprächsroutinen. Liegt beides vor, wird auch beides unsichtbar.

Ich habe eine ADHS-Diagnose, aber vieles passt nicht. Kann Autismus dahinterstecken?

Möglich. Typisch dafür ist, dass Reizempfindlichkeit, das Bedürfnis nach gleichbleibenden Abläufen und die Erschöpfung nach sozialen Situationen im Vordergrund stehen und mit der ADHS-Behandlung nicht weniger werden. Das ist ein Grund, eine Autismusabklärung zu prüfen.

Weiterlesen

Was im Gehirn bei ADHS anders läuft, steht unter ADHS im Gehirn. Warum die Diagnose bei Frauen oft später kommt, lesen Sie unter ADS bei Frauen. Eine Übersicht zum Störungsbild gibt Was ist ADHS / ADS.

Quellen

Die fachlichen Aussagen auf dieser Seite stützen sich auf:

  • Lai MC, Kassee C, Besney R, et al. Prevalence of co-occurring mental health diagnoses in the autism population: a systematic review and meta-analysis. The Lancet Psychiatry. 2019;6(10):819–829. doi:10.1016/S2215-0366(19)30289-5
  • Young S, Adamo N, Ásgeirsdóttir BB, et al. Females with ADHD: An expert consensus statement taking a lifespan approach providing guidance for the identification and treatment of attention-deficit/hyperactivity disorder in girls and women. BMC Psychiatry. 2020;20:404. doi:10.1186/s12888-020-02707-9
  • American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition, Text Revision (DSM-5-TR). Washington DC, 2022.
  • Faraone SV, Bellgrove MA, Brikell I, et al. Attention-deficit/hyperactivity disorder. Nature Reviews Disease Primers. 2024;10:11. doi:10.1038/s41572-024-00495-0